Sternenpark Harz – unsere Astrotourismus-Vision für 2020

„Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt […]“

(Wilhelm Hey, 1837, deutsches Volkslied)

Ein Sternenpark im Harz als Beitrag zum Schutz des natürlichen Nachthimmels (Vortrag am 5.Februar 2016, 18.30 Uhr)

Zur Referentin: Aufgewachsen in einer ländlichen Region in Deutschland nahm Stefanie Hirche an, zumindest dort viele Sterne und bekannte Sternenbilder sehen zu können – die Arbeit an dem Thema hat sie eines Besseren belehrt. Die Vorstellung, in einigen Jahren den natürlichen Sternenhimmel in seiner Schönheit durch die zunehmende Lichtverschmutzung nicht mehr erleben zu können sowie die Angst, dass unsere zukünftigen Generationen Himmelsphänomene wie die Milchstraße, gar nicht mehr kennen, veranlasste Stefanie Hirche zu Ihrer Masterarbeit „Ein Sternenpark im Harz als Beitrag zum Schutz des natürlichen Nachthimmels“ am Institut für Umweltplanung an der Leibniz Universität Hannover.

Stephanie Hirche thematisiert den Verlust der freien Sicht und damit den Verlust der Erlebbarkeit eines natürlichen Nachthimmels – verursacht durch die zunehmende Lichtverschmutzung. Beeinträchtigende Effekte auf den Menschen, seine Gesundheit und sein Wohlbefinden, auf seine Kulturgeschichte sowie die Astronomie, auf die Ökologie und Ökonomie werden dargelegt.

Zur Minderung der beeinträchtigenden Effekte werden mehrere praxisorientierte Handlungsansätze zusammengetragen. Dazu zählen technische, kommunikative und rechtliche Ansätze und Instrumente der Lichtplanung. Als zentraler Ansatz wird ein Sternenpark als ein (internationaler) Handlungsansatz zur Bewahrung der Dunkelheit untersucht. Als astronomisches Schutzgebiet verstanden, hat dieser zum Ziel, die heutige und zukünftige Erlebbarkeit der Nacht durch einen maßvollen Umgang mit umweltfreundlicher, energieeffizienter und gesundheitsschonender Beleuchtung zu verbessern und ein diesbezügliches Bewusstsein bei einem breiten Personenkreis zu schaffen. Zur Beurteilung des Schutzbeitrags werden zwei bereits bestehende Sternenparks in Deutschland (der Sternenpark Westhavelland und der Sternenpark Rhön) anhand Gesprächen mit lokalen Akteuren und Experten ausgewertet. Welche Stärken und welche Herausforderungen sowie Schwierigkeiten bringt/hat ein Sternenpark als eine Möglichkeit zur Minderung der Beeinträchtigungen der Lichtverschmutzung?

Auch der Oberharz gehört (noch) zu einem der weniger „lichtverschmutzen“ Regionen in Deutschland. Für eine tiefergreifende Beurteilung als Beitrag zum Schutz der Nacht wird der Sternenpark in seiner Anwendbarkeit auf ein Gebiet im Oberharz überprüft. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass das Gebiet des Nationalparks Harz sehr gute Chancen auf eine offizielle Anerkennung der „International Dark Sky Association“ als ein Sternenpark besitzt. Trotz Herausforderungen und Konflikte besitzt der Oberharz Potenzial. Für eine Auszeichnung sprechen insbesondere die ausreichende Himmelsdunkelheit, langjährig engagierte Sternenparkbefürworter sowie ein starkes und im Aufbau befindliches astronomisches Akteursnetzwerk. Insbesondere die örtliche Sternwarte ist stärkster Sternenparkakteur und Unterstützer. Zum Schluss werden Handlungsempfehlungen formuliert, in wie weit ein Sternenparkkonzept im Oberharz umsetzbar wäre und das Thema der Lichtverschmutzung sowie die Bedeutung des Nachthimmels als Kultur- und Naturgut für jeden greifbarer werden kann. Schließlich sollen auch unsere nachfolgenden Generationen die Schönheit unseres Sternenhimmels noch bestaunen dürfen!

Foto: Die Referentin Stephanie Hirche

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Die Wunder des Himmels für alle Menschen bewahren

Wann haben Sie das letzte Mal einen Nachthimmel voller Sterne bewundern dürfen? Für die meisten von uns ist der erhabene Anblick eines mit Gestirnen übersäten Firmaments leider alles andere als alltäglich. Die zunehmende Dauerbeleuchtung von Straßen und Gebäuden sowie der Einsatz von Skybeamern, die den nächtlichen Himmel als kostenfreie Werbefläche nutzen, haben vielen Menschen die Sicht auf die Wunder unseres Universums bereits weitgehend genommen. Der hier nachfolgend eingebundene Kurzfilm der International Dark Sky Association zeigt eindrücklich die Dimensionen dieses Verlusts.

Die sogenannte Lichtverschmutzung beraubt uns jedoch nicht nur eines unserer wichtigsten Kulturgüter, sie stellt auch eine ernste Gefahr für Mensch und Tier dar. Millionen von Insekten kommen in Deutschland jede Nacht in Straßenlampen zu Tode, Zugvögel werden vom hellen Licht abgelenkt und verlieren die Orientierung. Die schädlichen Auswirkungen übermäßiger nächtlicher Beleuchtung auf dutzende nachtaktiver Spezies – von Fröschen bis hin zu Seeschildkröten – konnten mittlerweile durch die Forschung nachgewiesen werden. Sogar auf den Menschen kann zuviel nächtliches Kunstlicht negative Auswirkungen haben – unter anderem deshalb, weil es die nächtliche Produktion des wichtigen Hormons Melatonin unterdrückt und damit die Wahrscheinlichkeit erhöht, an bestimmten Krebsarten zu erkranken.

Letztendlich schadet die übermäßige nächtliche Beleuchtung sogar allen Lebensformen auf unserem Planeten, da der damit einhergehende Energieverbrauch nicht unerheblich zur globalen Veränderung des Klimas beiträgt. Allein 12 Millionen Tonnen an Kohlendioxid (CO2) – so schätzt der VDI – werden in Europa jedes Jahr freigesetzt, um die für die Straßeneleuchtung benötigte Energie bereitzustellen.

Unser Ziel – der Harz wird „Sternenschutzreservat“

Diese zunehmende Lichtverschmutzung hat dazu geführt, dass viele Astronomen mittlerweile die Einrichtung von sogenannten Sternenparks fordern – „Sternenschutzreservaten“, in denen auch Menschen aus Ballungsräumen noch einen „echten“ Sternenhimmel erleben können. Ein solcher Sternenpark hilft damit nicht nur der Astronomie, sondern kann darüber hinaus die Attraktivität einer Urlaubsregion auch ganz erheblich steigern. Und was läge näher als einen solchen Park dort einzurichten, wo die Natur ohnehin schon auf besondere Weise geschützt wird und sich zudem die nächtliche Beleuchtung (noch) in Grenzen hält – in unseren Nationalparks.

In Deutschland gibt es mit dem Naturpark Westhavelland sowie dem Nationalpark Eifel bereits zwei international anerkannte Sternenparks – und auch die Gegend um Sankt Andreasberg bietet exzellente Grundbedingungen für eine solche astronomische Auszeichnung. Die Wunder des Nachthimmels sind hier – anders als in der Nähe hell erleuchteter Metropolen wie etwa Berlin oder Hannover – noch so gut zu sehen, dass der Ort bereits im Jahr 2011 auf Betreiben der Sternwarte in das UNESCO-geförderte „Star Park“-Programm aufgenommen wurde. Anfang 2012 nahm die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde (VdS) – der größten deutschsprachigen Vereinigung für Amateurastronomie mit über 4.000 Mitgliedern – die Gegend um Sankt Andreasberg sogar in die Liste der qualitativ hochwertigsten Beobachtungsgebiete in Deutschland auf – eine Liste, die lediglich sieben Einträge umfasst. Bereits ein Jahr zuvor unter der Leitung von Dr. Andreas Hänel – dem Direktor des Planetariums Osnabrück und Leiter der Fachgruppe Dark Sky – durchgeführte Messungen der Beobachtungsqualität zeigten deutlich, dass sich zwischen Braunlage und Sankt Andreasberg noch ein natürlich dunkler Himmel (21.75 mag/arcsec²) finden lässt – eine für Deutschland nahezu einmalige Ausgangslage für astronomische Beobachtungen.

Darum fordern wir: Der Nationalpark Harz soll zum Sternenpark ernannt werden!

Eine solche Forderung ist natürlich leichter aufgestellt als umgesetzt, denn an einen Sternenpark werden hohe astronomische wie auch ökologische Anforderungen gestellt. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass es uns gemeinsam gelingen kann, unserem Harz diesen ganz besonderen „Ehrentitel“ zu erkämpfen – durch Lobbyarbeit in der Politik sowie viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit in Sachen „Lichtverschmutzung“. Dabei kann jeder mithelfen, dem dieses Thema ebenso am Herzen liegt wie uns – eine E-Mail an reinboth@sternwarte-sankt-andreasberg.de genügt. Lokale Projekte zur Reduzierung der Lichtverschmutzung unterstützen wir dabei natürlich ebenso gerne wie die Aufklärungsarbeit bei schlechter Beleuchtung, Skybeamern etc.

Sternwartenlage

Unsere Sternwarte entsteht in einem der letzten dunklen Areale.

Eine abschließende Anmerkung zum Projekt „Wurmberg 2015“

Gelegentlich werden Mitglieder unseres Vereins auf unseren Widerspruch im Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Skigebietes am Wurmberg angesprochen. Wie sich hier nachlesen lässt, ist der Sternwarten-Verein natürlich alles andere als tourismusfeindlich, kritisiert allerdings vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden Lichtverschmutzung die derzeitigen Planungen für „beleuchtetes Skifahren bei Nacht“. Die allgemeine Stellungnahme unseres Vereins zum Projekt „Wurmberg 2015“ lässt sich hier nachlesen, unsere Stellungnahme zur geplanten Wurmberg-Flutlichtanlage findet sich hier.

Sternwarten-Kontakt zum Thema Lichtverschmutzung / Sternenpark

Christian Reinboth Christian Reinboth
Dipl.-Wirtsch.-Inf.(FH)
Univ. zert. Umweltmgr.Tel.: 03943 932 501
Fax: 03221 236 4868
Web: http://www.christian-reinboth.de
E-Mail: reinboth@sternwarte-sankt-andreasberg.de

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