Barrierefreiheit

Natur … Kultur … Wissenschaft … barrierefrei erleben

Astronomie für alle Menschen

Reinhard Pankrath: Astronomie für Menschen mit Handicaps

 

„Der Himmel bleibt spannend. Eigentlich für jeden! Und im Miteinander schon erst recht!“(Reinhard Pankrath)

Ziemlich beste Freunde können Astronomie und Menschen mit Handicap werden!

Da gilt nicht so etwas wie „Keine Ärmchen – keine Schokolade!“

Als Betroffener möchte ich alle Menschen mit Handicaps sehr ermutigen, sich nicht einschüchtern zu lassen durch Erfahrungen oder Gedanken, dass da nichts geht.

Gut, Einschränkungen sind da, das ist richtig. Aber auch hiermit kann man sehr viel Genuss und Freude an der Wissenschaft erreichen!

Lassen Sie sich / lasst Euch wirklich ermutigen, die Sache anzugehen. Einen weiteren „Vorreiter“ haben wir ja auch mit der Sternwarte St.Andreasberg, die Bemühungen und das Engagement sind  wegweisend für zukünftige Projekte!

Reinhardt Pankrath: Astronomie für alle Menschen!

Reinhard Pankrath: Astronomie für alle Menschen!

 

Ich selber sitze im Rollstuhl und habe daher nur begrenzte Möglichkeiten, ein Teleskop zu bewegen und zu bedienen. Nun kann ich mit den Armen noch etwas „stemmen“, aber da habe ich Grenzen ausprobiert und bin bis zu einem Teleskop mit 5″ Optik gekommen. Das ETX 125 ist vom Gewicht her, von der Größe und „Dimension“ das, was ich noch ohne großes Risiko auf- und abbauen kann.

Ein 6″ von der Firma Bresser freundlicherweise zum Testen zur Verfügung gestellt, erwies sich zwar als optisch sehr reizvoll, aber leider zu schwer. Da ist mein Risiko, dass es mir vom Schoß rutscht usw. doch erheblich und letztendlich nicht zu verantworten (leider!!).

Mit dem ETX und dem im Vergleich hierzu geradezu kleinen PST für die Sonnenbeobachtung steht mir ein Portfolio für Tag und Nacht zur Verfügung. Da habe ich alles abgedeckt, was geht.

 

OK – Deep Sky hat wegen der relativ kleinen Öffnung seine Grenzen, aber auch hier ist mit visueller Beobachtung und Fotografie doch einiges zu machen. Auch die Herausforderung, das Äußerste mit einem kleinen Gerät heraus zu holen, ist nicht zu verachten! Und für „Spazierengucker“ gibt es ebenfalls sehr viel Faszinierendes zu entdecken. da kann ich gerne später mehr berichten!

 

Die letzten drei Abschnitte beziehen sich darauf, trotz einer Gehbehinderung alleine zurecht zu kommen. Wie viel mehr ist da drin, wenn man so engagierte und treue Sternfreunde wie bei der Sternwarte St.Andreasberg hat! Hier erschließt sich eine Dimension, die  man gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Die Faszination des Weltalls Menschen näher zu bringen, die zwar in körperlichen Funktionen eingeschränkt sind, aber immer noch über die Schöpfung staunen können und möchten – oder auch mental Herausforderungen annehmen möchten, die die Grenzen des Denkens erweitern und ebenso Erfüllung geben können – das ist herausragend.

Hier werden Kapazitäten für Menschen erschlossen, die sonst „im Windschatten“ stehen. Oder die Möglichkeit, einfach zu genießen und Freude zu haben, in eine neue Dimension einzutauchen, die das Leben aller, der Helfer und des Menschen mit Handicap – bereichert.

 

Reinhard Pankrath

www.astro.pankrath.eu

astro@pankrath.eu

Fachtagung der Sternwarte St.Andreasberg am 26.10.2013

„Eine Sternwarte für alle“

 

Zielsetzung der Fachtagung war es, zum richtigen Zeitpunkt Weichen zu stellen, gemeinsam Ideen und kreative Lösungsmöglichkeiten zu suchen und zusammentragen.

Die Umbau- und Umgestaltungsarbeiten im zukünftigen Sternwartengebäude direkt am Internationalen Haus Sonnenberg haben gerade begonnen.

Das große Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Verwirklichung einer Sternwarte für alle Menschen mit und ohne Handicap – der ersten vollständig barrierefreien Sternwarte in Deutschland.

Zugänglichkeit war an diesem Tage ein zentraler Begriff der Fachgespräche, zu denen der Verein Sternwarte St. Andreasberg eingeladen hatte.

In seinem Grußwort zu Beginn der Fachtagung hob Bürgermeister Grote aus Braunlage die überregionale Besonderheit des Projektes hervor.

 

Bürgermeister Grote hörte interessiert Informationen zum aktuellen Stand des Projektes

 

Bis zum späten Nachmittag referierten und diskutierten die Fachteilnehmer über unterschiedliche Behindertenbereiche und trugen Aspekte und Ideen erreichbarer und umsetzbarer Möglichkeiten der Barrierefreiheit für den künftigen Sternwartenbetrieb zusammen.

Wichtig war die gemeinsame „Begehung“ des zukünftigen Sternwarten-Gebäudes.

 

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Viel Kreativität war gefragt, denn damit,  in einem Bereich wie einer Sternwarte den Gedanken von Barrierefreiheit und Inklusion umzusetzen, betritt der Verein an einigen Stellen Neuland.

Besondere fachliche Unterstützung und praktische Tipps bezüglich der Belange körperbehinderter Menschen bekamen Teilnehmer und Mitglieder des Vereins von den ehrenamtlichen Beratern  des Seniorenservicebüros (Landkreis Goslar) Erich Scholz und Günther Lau, die ihre Erfahrungen und Kenntnisse als Wohnumfeldberater einbrachten.

 

Erich Scholz, Ehrenamtlicher Wohnberater beim Seniorenservicebüro des Landkreises Goslar, er hat insbesondere auf die Punkte hingewiesen, die für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer zu beachten sind.

 

Für den Bereich Sehbehinderte und Blinde gaben Dr. Jürgen Trinkus und Niels Luithardt, beide vom Verein AnderSicht e.V., Hinweise, die bei weiteren Planungen und der Umsetzung  einfließen werden.

 

Dr. Jürgen Trinkus auf dem Weg zur Sternwarte.Dr. Jürgen Trinkus und Nies Luithardt nahmen die Räumlichkeiten des Sternwartengebäudes auf ihre Weise wahr und gaben den Sehenden Hinweise und Informationen zur Veränderung

 

Für den Bereich Menschen mit Lern- und Geistiger Behinderung konnte der Vorsitzende des Sternwartenvereins, Utz Schmidtko, Maßnahmen und Möglichkeiten aus dem eigenen beruflichen Umfeld aufzeigen.

Die Fachtagung fand in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre im Konferenzraum des Internationalen Haus Sonnenberg statt und war ein entscheidender Schritt zum rechten Zeitpunkt. Weitere Unterstützung und Begleitung des Projektes wurde von allen Beteiligten zugesagt.

 

Wir danken allen genannten Teilnehmern und Helfern, die diese Tagung ermöglichten und daran teilnahmen. Hierbei besonders auch dem Veranstaltungsmanager des Sternwartenvereins, Reiner Lehr, dem technischen Beirat, Michael Koch und Andreas Zieske, Geschäftsführer des Internationalen Haus Sonnenberg.

 

Begrüßung der blinden Gäste durch den Veranstaltungsmanager des Sternwartenvereins, Reiner Lehr, in Braille-Schrift

Foto: Begrüßung der blinden Gäste durch die von Reiner Lehr geschriebenen Braille-Schriftzüge.

Und hier der aktuelle Pressebericht in der Goslarer Zeitung am 28.10.2013

 

Pressebericht von Karl-Heinz Siebeneicher (Goslarer Zeitung, 28.10.2013) zur Fachtagung "Eine Sternwarte für alle"

 

 

„Wir bringen allen Menschen den Himmel nah“
Auszüge aus einem Artikel in der Zeitschrift des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe von Eva Walitzek-Schmidtko, Journalistin, Burgwedel

Wir bringen allen Menschen den Himmeln nah – auch Menschen mit Behinderungen. Die Sternwarte Sankt Andreasberg soll die erste vollständig barrierefreie Sternwarte Deutschlands werden. Die geplante Sternwarte setzt dabei nicht allein aufs Visuelle. Wir ermöglichen es, den Sternen- und Nachthimmel mit allen Sinnen zu erleben und zu begreifen.

Sonnenbrille


„M 31 erscheint als länglicher Lichtfleck zwischen dem Herbstviereck und dem W der Cassiopeia. Die Spiralgalaxie ist besser bekannt als Andromedanebel oder Große Andromeda-Galaxie. Mit einer Entfernung von 2,9 Millionen Lichtjahren ist M 31 das am weitesten entfernte Objekt, das wir normalerweise mit bloßem Auge sehen können.“

Kleiner Bär und großer Wagen, Venus, Orion oder Saturn: Sternenhimmel und Universum bleiben blinden und sehbehinderten Menschen meist verborgen. Doch auch sie können künftig von der Sternwarte Sankt Andreasberg im Oberharz ins Weltall blicken und mit Hilfe moderner Technik bislang unbekannte Welten entdecken. Denn die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Sternwarte Andreasberg haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Ihre Sternwarte soll als erste Sternwarte in Deutschland auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bieten, den Sternen- und Nachthimmel zu erleben und zu begreifen, und zwar mit allen Sinnen. „Wir bringen allen Menschen den Himmel nah“, so das Motto des Vereins.

Die geplante Sternwarte setzt nicht allein aufs Visuelle, sondern spricht alle Sinne an und berücksichtigt verschiedene menschliche Einschränkungen. So können Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen das Universum mit Hilfe audiovisueller Medien wahrnehmen: akustisch, visuell – mit und ohne Technik – oder auch taktil, also mit Hilfe des Tastsinns an Modellen. Sie hören, was am Himmel zu sehen ist – der Andromedanebel, die Zwillingssterne Castor und Pollux und Planeten wie Saturn, Venus oder Uranus werden von einem „sprechenden Teleskop“ ebenso beschrieben wie andere Himmelsphänomene. Tastmodelle machen die Größe des Sonnensystems und der einzelnen Planeten, Sternenbilder und Galaxien sowie Formen und Oberflächenstrukturen von Planeten erfühlbar. „Denkbar ist auch, dass wir bei Veranstaltungen Filme mit Audiodeskriptionen, also Beschreibungen für sehbehinderte und blinde Menschen oder die Planetariumsshow „Augen im All – Vorstoß ins unsichtbare Universum“ zeigen, nennt der Vorsitzende des Vereins Sternwarte Sankt Andreasberg, Utz Schmidtko, ein weiteres Beispiel. Der Verein Andersicht e.V. hat eine Audiodeskription zu der von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und zahlreichen Planetarien produzierten Planetariumsshow erarbeitet, die Filme auch für Blinde verständlich macht.

Damit auch gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer die Sternwarte auf der Jordanshöhe problemlos nutzen können, wird die neue Sternwarte barrierefrei: Von höhenverstellbaren Ebenen an den Teleskopen der Sternwarte profitieren nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch sehr große und kleine Menschen – kleinwüchsige wie Kinder. Es ist ebenso stufenlos und ohne Hindernisse zu erreichen wie die Außenterrasse: Von dort können Amateurastronomen auch durch eigene Teleskope Himmelsobjekte beobachten.

Noch ist das Zukunftsmusik. Derzeit haben der erfahrene Bauplaner Peter Hettlich aus Leipzig – selbst Hobbyastronom –  und die  Mitglieder des Vereins damit begonnen, das angemietete Gebäude umzubauen und zu renovieren. Um die Sternwarte wirklich  barrierefrei zu gestalten und die besonderen Belange behinderter Menschen zu berücksichtigen, sollen Experten möglichst früh in die Planungen einbezogen werden.  Hierzu findet am 26.Oktober 2013 eine Expertenrunde statt, die ihre Kenntnisse und Ideen einbringen. Als Kooperationspartner bietet der Verein Andersicht e. V. z.B. darüber hinaus  im Rahmen eines barrierefreien Tourismus ein Kommunikations- und Sensibilisierungstraining für Gastronomen und Gästeführer im Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen sowie eine Schulung in Raum- und Objektbeschreibung an.

Andersicht

Das mit dem Inklusionsgedanken bundesweit einzigartige Sternwarten-Projekt in Sankt Andreasberg greift im Bereich Tourismus im wahrsten Sinne des Wortes nach den Sternen. Sankt Andreasberg ist der ideale Ort für eine Sternwarte. Die Lage (730 m über dem Meeresspiegel) und abseits von Ballungsgebieten mit weit sichtbaren Lichtglocken sorgt für absolute Dunkelheit, trübungsarme Luft und damit für hervorragende Beobachtungs-bedingungen an vielen Tagen des Jahres. Die Lage der Sternwarte am Rande des Ortes erscheint auf Lichtverschmutzungskarten dunkelblau – und erfüllt damit astronomische Kriterien besonders gut. Ein weiteres Plus ist die Nähe von vier Landschulheimen: Der Verein plant Vorträge, Führungen, Workshops oder Beobachtungsabende für Schülerinnen und Schüler aller Schularten und Altersstufen.

Dass sich auch behinderte Kinder und Jugendliche fürs Universum und für Astronomie begeistern, weiß Utz Schmidtko aus Erfahrung. Der Förderschullehrer leitet seit Jahren eine Astronomie-Arbeitsgemeinschaft an der Pestalozzi-Schule in Großburgwedel, an der auch geistig- und lernbehinderte Schüler teilnehmen. In Projektwochen reisen sie gemeinsam durch Raum und Zeit und lernen dabei viel Wissenswertes über unser Universum. „Einige Schüler haben inzwischen eigene Teleskope“, erzählt er.

Andersicht

Die Mitglieder des Vereins begeistern mit Vorträgen, Astro-Abenden, Ausstellungen, Exkursionen Vorträgen und Workshops Menschen in und um Sankt Andreasberg für Astronomie – Einheimische ebenso wie Touristen. Ein Highlight ist das alljährlich im Sommer stattfindende STATT (Sankt Andreasberger Teleskoptreffen), zu dem Amateurastronomen aus ganz Deutschland für ein Wochenende nach St. Andreasberg reisen. Das hochkarätige Rahmenprogramm mit Vorträgen von Wissenschaftlern und Amateuren sowie besondere Angebote für Kinder und Jugendliche lockt in jedem Jahr mehr Sterngucker in den Oberharz.

„Wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung sind die Sterne an vielen Orten gar nicht mehr zu sehen. Deshalb kennen viele Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene den Sternenhimmel oder Sternbilder wie Cassiopeia kaum noch“, bedauert Utz Schmidtko.

Damit die Sterne auch künftig weithin sichtbar über Sankt Andreasberg leuchten und die Beobachtungsbedingungen für Hobbyastronomen gut bleiben, engagiert sich der Verein Sternwarte Sankt Andreasberg für ein zweites Projekt: Die Region um Sankt Andreasberg und der Nationalpark Harz soll von der International Dark Sky Association (IDA) als Sternenpark anerkannt werden. Eine Zertifizierung als Sternenpark gilt in der Astronomie-Szene als hohe Auszeichnung und sorgt für eine große Bekanntheit der ausgezeichneten Region unter Amateur-Astronomen und potentiellen Astro-Touristen.

In Europa gibt es derzeit nur vier anerkannte Sternenparks. Mit Messstationen zur Überwachung der Beobachtungsqualität, aber auch mit astronomischen Beobachtungsevents und Vorträgen erfüllt der Sternwarten-Verein die wichtigsten Voraussetzungen für die Anerkennung als Sternenpark. Ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Sankt Andreasberg wurde 2011 in die Liste der „StarParks“ der von der UNESCO unterstützten Starlight Initiative aufgenommen. Sie setzt sich weltweit dafür ein, exzellente astronomische Beobachtungsplätze bekannt zu machen.